Wir leiden unter Sexfrust
Kürzlich präsentierte die SSL Healthcare (Durex) eine weltweit erste globale Studie zum Thema „Sexual Wellbeing“. Damit wird erstmals in einem repräsentativen Ausmaß der Frage nachgegangen, wie es um die sexuelle Zufriedenheit der Menschen auf diesem Planeten bestellt ist. Erstmals wurden soziologische, emotionale und psychische Einflussfaktoren berücksichtigt und Daten dazu erhoben. Mehr als 26.000 Menschen aus 26 Ländern wurden dabei befragt. Erschreckend; weltweit sind lediglich 44% der Menschen mit ihrem Sexleben vollkommen zufrieden. Was im Berufsleben als Burn-Out-Syndrom diagnostiziert wird, macht sich nun auch im Schlafzimmer breit.
Dabei ist Sex ein wichtiger Faktor für ein langes, gesundes Leben und irgendwann kommt man in ein Alter, in dem sich alles nur noch um die Gesundheit dreht. Für Emmanuelle Jannini, Sexualforscher und Endokrinologe an der Università L’Aquila ist Sex der beste Weg, sich fit zu halten: Die Herzfrequenz und der Blutdruck sind im Durchschnitt beim Sex etwa so hoch wie bei einem strammen Spaziergang, wie ihn viele Ärzte zur Gesundheitsvorsorge für das Herz- Kreislauf-System empfehlen.
Zu der körperlichen Aktivität kommt im Bett aber noch etwas, was Jannini als „psychoneuroendokrinologischen Prozess“ beschreibt; ein komplizierter Ausdruck für die Herstellung des chemischen Cocktails der Liebe im Körper. Denn leidenschaftlicher Sex verursacht ein Neuronenfeuer im Kopf, unter anderem im Hypothalamus und in der Hypophyse. Diese Gehirnregionen regen über bestimmte Vorstufen die Produktion des Sexualhormons Testosteron an. Dieses Hormon, das beim Mann in den Hoden und bei der Frau in kleineren Mengen in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde hergestellt wird, ist ein wahres Wundermittel für Körper und Geist. Das Schöne an dem Sexualhormon ist, dass es sein Gleichgewicht beim gesunden Menschen von selbst findet.
Unabhängig vom Alter ist es idealerweise, zweimal pro Woche Sex zu haben, so die weltweite Studie. Denn beim Sex funktioniert das ähnlich wie bei einer Diät. Wer weniger isst, hat auf Dauer auch immer weniger Hunger. Wer keinen keinen Sex hat, produziert weniger Testosteron und hat damit auch weniger Lust. Der Testosteronspiegel pendelt sich an der unteren Grenze ein. Das ist ein sinnvoller Mechanismus der Natur, insbesondere dann, wenn gerade kein Partner vorhanden ist. Wer wieder regelmäßig Sex hat, erhöht auch seine Lust, weiterhin regelmäßig Sex zu haben.
Zweimal pro Woche ist Normal
Männer, die zu wenig Testosteron haben, leiden zum Beispiel verstärkt an Depressionen. Das Männer mit einem regelmäßigen Sexleben nicht nur eine höhere Lebenserwartung haben, besser vor Herzinfarkt, Herz-Kreislaufbeschwerden und Krebsrisiken geschützt sind, darüber wurde ausreichend geschrieben. Aber gerade auch sexuell aktive Frauen haben durch den erhöhten Hormonspiegel ein deutlich verringertes Risiko für Monatsbeschwerden, Gefäßverkalkung und Osteoporose. Bei Frauen scheint zudem das Hormon Oxytocin eine wichtige Rolle bei der Krebsprävention zu spielen. Das Brustkrebsrisiko ist um bis zu 40 Prozent geringer bei Frauen, die ihre Kinder gestillt haben. Oxytocin durchströmt ebenso nach dem Orgasmus den Körper, wie beim Stillens eines Babys. Studien zeigten daher, dass dieses „Kuschelhormon“ auch kinderlose Frauen mit einem erfüllten Sexualleben hilft, ein geringeres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken.
Die heilenden Hormone fließen am besten, so Jannini, wenn man eine leidenschaftliche Bindung zu dem Partner spürt. Dann spielt der Kopf beim Sex mit und die Produktion der Sexualhormone wird stark angeregt. „Liebe schützt das Leben des Liebenden“, sagt Jannini. Oft wechselnde Partner verursachen zu viel Stress und das könne den positiven Effekt der Sexualhormone wieder zunichte machen. Sex mit dem richtigen Partner macht also nicht nur Spaß, sondern ist auch gesund.
Gesund und schlank mit Sex
Weil man sich beim Sex besonders nah kommt, macht das Immunsystem mobil und schickt Abwehrzellen gegen mögliche Erreger des Partners aus. Auch wenn es so simpel ist: Mehr Sex bedeutet mehr Abwehrzellen und damit weniger Schnupfen und schneller heilende Wehwehchen. Außerdem dient ausdauernder Sex der schlanken Linie: Lustvoller kann man wohl 350 Kalorien in 30 Minuten kaum verbrennen, oder? Apropos Lustvoll. Dazu trägt natürlich bei, wenn die Partner wissen, was den anderen „AN“ macht. Deshalb ist Kommunikation ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu einem erfüllten Sexualleben. Das bestätigen auch die aktuellen Ergebnisse der Durex Studie. Je offener die eigenen sexuellen Bedürfnisse dem Partner kommuniziert werden können, desto zufriedener und aufregender gestaltet sich das Sexleben.
Wer also die ersten 5 Tage der Woche verpasst hat, sich Gesund zu halten, hat jetzt das Wochenende vor sich, das „Mindestmaß“ an Gesundheit zu erfüllen, auf das Dein Partner am Montag sagt:
„Sex mit Dir macht keinen Spaß. Sex mit Dir ist lebensverändernd!“