Bahnfahren macht Spaß, wirklich! Also zumindest im ICE. Für Langstreckenverbindungen bietet die Deutsche Bahn einen guten Service für Behinderte.
Umstieghilfe
Wenn ich zum Beispiel von Düsseldorf nach Berlin will, suche ich mir eine passende Verbindung aus, schreibe dem Mobilitätsservice der Bahn eine Mail und wenn im ICE meiner Wahl noch ein Rollstuhlplatz frei ist, buche ich das Ticket. Es ist mir noch nicht passiert, dass beide Rollstuhlplätze im ICE schon belegt waren. Mit der Ticketbestellung buche ich auch immer eine Umstieghilfe. Das heißt, ich melde meine Reise den Service der Bahn und ein freundlicher Schaffner hilft mir dann in den Zug. Das kostet auch nichts extra und klappt meist ohne Probleme. Die Mitarbeiter der Bahn helfen auch, wenn ich umsteigen muss, aber ich versuche nach Möglichkeit Direktverbindungen zu bekommen. Das erleichtert vieles.
Begleitperson
Ich darf immer eine Begleitperson mitnehmen. Steht mir aufgrund meiner Gehbehinderung zu. Am Rollstuhlplatz sind im ICE deshalb immer zwei Plätze reserviert. Ein Platz für mich (zum Umsetzen) und ein Platz für die Begleitung. Manchmal stehen zwar Koffer auf dem Platz, wo der Rollstuhl hin soll, aber die sind auch immer schnell aus dem Weg geräumt.
Von Seiten der Bahn hat sich viel getan. Wustet ihr, dass Rollstuhlfaher in den 1980gern noch im Gepäckwagen mitgefahren sind. Eine seltsame Vorstellung.
wenig Raum für Spontanität
Viele meiner Freunde finden die Art wie ich Bahn fahre, zu kompliziert, zu unflexibel. Denn ich muss immer 20 Minuten vor Abfahrt am Schalter sein und bekomme auch nur Hilfe, wenn ich angemeldet bin. Spontan in den Zug springen geht nicht. Da ich meine Reisen aber sowieso immer planen muss, weil ja auch die Unterkunft für mich geeignet s in muss, stört mich das nicht. Ich habe ohnehin das Gefühl, dass ich entspannter reise als spontan Reisende. Das sehe ich zum Beispiel in den Gesichtern der Leute, die ohne Sitzplatzreservierung in den ICE steigen. Mit denen will ich nicht tauschen.
Viele sind so unentspannt, dass sie patzig werden. Wenn ich zum Beispiel meinen Sitzplatz jemandem anbiete, der steht, gibt es immer Leute, die meckern. So geht das aber nicht, der Herr hat ja nicht mal reserviert!
Sagte eine Frau mal ganz empört zu mir und ergänzte dann noch: Ich zahle immer extra für meinen Sitzplatz und andere mogeln sich durch. Ich muss bei solchen Reaktionen schmunzeln. Mir geht einfach nicht auf, warum ein Sitz ungenutzt bleiben soll, wenn es genug Menschen gibt, die im Gang stehen. Der Platz ist doch für sie!, höre ich auch oft in einem sehr vorwurfsvollen Ton und darf dann erklären, dass es für mich wirklich besser und einfacher ist in meinem Rollstuhl sitzen zu bleiben.
Auch die Mitarbeiter der Bahn sind meist sehr unentspannt. Diejenigen, die mich in den Zug setzen, rätseln meistens bis zu letzten Sekunde, welcher Wagen richtig für mich ist. Einfach, weil sie meist selbst keine Ahnung haben, ob die Wagenreihung stimmt. Es kommt nicht selten vor, dass ich dann im Rollstuhl zum anderen Ende des Wagens fahren muss, aber die Leute im Zug helfen meist, wenn es sein muss. Manchmal frage ich mich, wie die Fahrgäste sich orientieren sollen, wenn die Mitarbeiter der Bahn es nicht schaffen.
Nahverkehr geht gar nicht
Auch wenn im ICE nicht immer alles glatt läuft, ich komme auf jeden Fall von A nach B. I'm Nahverkehr geht das leider überhaupt nicht. Ich komme weder sicher in den Bus, noch kann ich da stehen (im Rollstuhl). Mein Rollstuhl ist zu leicht und jemand zweites muss mit festhalten, damit ich nicht weglegen. Kein schönes Gefühl. Abgesehen davon, ist der Einstieg meist auch nicht barrierefrei. Ich hoffe, dass sich das auch bald ändert. Denn wo andere in großen Städten günstig mit Bus und Bahn vorankommen, muss ich mir ein Taxi nehmen.
Ich könnte auch noch einige Anekdoten aus der Bahn teilen, aber ich denke jeder hat schon skurriles in der Bahn erlebt. Vielleicht können wir uns ja gegenseitig Witze in den Kommentaren erzählen.
Sehr guter und Interessanter Beitrag, very Nice.
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Vielen Dank! Ich habe die ganze letze Woche zum Thema behinderung geschrieben. Hier sind alle Beiträge drin. :)
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Interessant so etwas alltägliches wie Bahnfahren mal aus einem andern, mir unbekannten, Blickwinkel zu sehen. Danke für den Beitrag!
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Sehr gerne. Ist auch für mich spannend Fragen und Kommentare von Menschen zu lesen, die sonst mit dem Thema keine Berührung haben.
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In München im Nahverkehr habe ich jetzt schon öfter gesehen, dass die Busfahrer für Rollstuhlfahrer eine Rampe runterklappen und beim Ein/Aussteigen helfen.
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Das stimmt, das gibt es auch. Ist nur leider Glückssache. Denn nicht jeder Bus hat so eine Rampe und nicht immer sehen die Busfahrer die Person im Rollstuhl. Aber wenn Leute an der Bushaltestelle stehen, helfen die eigentlich immer. Trotzdem ist es für mich echt schwierig im Rollstuhl alleine bus zu fahren, weil ich, je nach Fahstil des Fahrers, echt eine zweite Person brauche, die den Rolli festhält.
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I voted because your pic was very friendly and warm :) I don;t speak this language :D
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Thank you so very much. It's an article on traveling by train while you are in a wheelchair. It is part of a series I might transfer into English later.
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same here, following you now, sumsum! :)
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